Fünf Charakterzüge

 


Grosszügig, aussichtsreich und bequem – so kommen sie angerollt, die neuen Charakterzüge. Zwischen August und Oktober 2018 gehen die neuen Fahrzeuge auf der Linie Gossau – Appenzell – Wasserauen mit dem Namen «Walzer» in den Fahrgastbetrieb.

Die neuen Züge sind Charakterzüge. So haben sich die Appenzeller Bahnen entschieden, die fünf neuen Züge Appenzeller Bräuchen zu widmen. Dabei lässt sich in jedem Zug einer der folgenden Bräuche entdecken:

  • Silvesterchlause
  • Bloch
  • Alpfahrt
  • Betruef
  • Alpstobete

 

Die Bevölkerung hat «Charakterzüge» geschaffen

Die Traditionen werden in den Zügen in Form von zwei grossflächigen Bildern an den Stirnwänden und kleinen Fähnchen an den Sitzen integriert. Jeder Sitzplatz in der ersten und zweiten Klasse ist mit einem Fähnchen dekoriert. Auf jedem dieser Fähnchen ist ein zur jeweiligen Tradition passenden Begriff aufgestickt. Diese typischen Begriffe wurden im Rahmen eines Wettbewerbs gemeinsam mit der Bevölkerung gesucht und gefunden.


 

Die Charakterzüge kurz erklärt

Zu jedem der fünf typischen Appenzeller Bräuche wurden acht bis zehn Begriffe für die Fähnchen ausgesucht. Diese werden nachfolgend von Hans Hürlemann, dem Traditionskenner aus Urnäsch, erklärt.


Silvesterchlause


Am Silvester ziehen in Ausserrhoden vermummte Gestalten, ausgerüstet mit Schellen und Rollen, von Haus zu Haus und wünschen ein gutes neues Jahr.


Detaillierte Begriffserklärung

Alte Silvester
Im Ausserrhoder Hinterland wird zweimal Silvester gefeiert: Am 31. Dezember und nach dem julianischen Kalender am Alten Silvester, dem 13. Januar.

Huube
Die «Rollewiiber» tragen eine Frauentracht und einen ledernen Träger mit Rollen, den kugelrunden Schellen, die man von den Jasskarten her kennt.

Schelle
Die schönen Chläuse in den Männertrachten tragen vermessingte Kuhschellen, je eine auf Brust und Rücken, die «wüeschte» eine einzelne vor dem Bauch.

Schöni
Die schönen Chläuse tragen samtene Trachten und auf den Hauben und Hüten sorgfältig gestaltete Szenen, vor allem mit Darstellungen des Brauchtums.

Schö-Wüeschti
Die «Schö-Wüeschte» tragen Gewänder und Hüte aus Naturmaterialien wie die «Wüeschte». Sie gestalten aber die Ausrüstung in der Art der schönen Chläuse.

Schuppel
«Schuppel» ist das einheimische Wort für «Gruppe». «E Schüppeli Gäässe» sind ein paar Geissen, «en Schuppel Wüeschti» ist eine Chlausengruppe.

Wüeschti
Die «wüeschte Chläus» verwenden für ihre Kleidung Tannenreisig, Laub, und andere Naturmaterialien. Das Gesicht verbergen sie hinter einer Dämonenmaske.

Chlausezäuerli
Chlausezäuerli sind appenzellische Naturjodel, die aber deutlich den Rhythmus der Chlausenschellen aufnehmen.


Bloch


An der Fasnacht ziehen paarweise nebeneinander marschierende Männer oder Buben an einem Strick das Bloch, einen Baumstamm, durch die Dörfer.


Detaillierte Begriffserklärung

Bomstamm
Einen entasteten Baumstamm nennt man im Appenzellischen «Bloch». Die Kostüme der Zugmannschaft haben oft etwas zu tun mit Waldwirtschaft und Holz.

Blochbär
Der Bär hat den Auftrag, mit den Zuschauern entlang der Strasse allerhand Schabernack zu treiben, vor allem natürlich mit der weiblichen Bevölkerung.

Blochmentig
Der Blochmontag ist der Montag nach Aschermittwoch. Man spricht da von der «Bauernfasnacht» im Gegensatz zur bereits vergangenen «Herrenfasnacht».

Gant
Nach der Rückkehr der Umzüge am Nachmittag werden die Blöcher der Männergesellschaften vergantet. Der Erlös hilft, die Unkosten zu decken.

Schmied
Der Schmied sitzt auf dem Bloch vor dem rauchenden Ofen, klopft mit dem Hammer auf den Amboss und lässt von Zeit zu Zeit einen Schwärmer krachen.

Kässelibueb
Die «Kässelibuebe» tragen Clowns-Kostüme und rennen mit rasselnden Sammelbüchsen dem Umzug voraus und sammeln Geld beim Publikum und in den Häusern.

Omzog
In Hundwil, Stein und Schwellbrunn veranstalten Buben die Bloch-Umzüge. In Urnäsch und Herisau sind es Erwachsene.

Bärefüehrer
An einer Kette führt ein als Zigeuner verkleideter Mann das Appenzeller Wappentier, den Bär. Unter dem Kostüm steckt natürlich ein kräftiger Bursche.

Zäuerli
Bei allen Brauchtumsereignissen gehört das Zauren dazu. Das Zäuerli ist ein appenzellischer Naturjodel, der auch bei anderen Gelegenheiten gesungen wird.


Alpfahrt


Mit «Alpfahrt» bezeichnet man den traditionell gegliederten Aufmarsch auf die Alpen und die in gleicher Weise stattfindende Rückkehr ins Tal.


Detaillierte Begriffserklärung

Bläss
Der Appenzeller Sennenhund heisst im Volksmund «Bläss». Er hat den Namen von der weissen Blesse auf der Stirn und ist ein guter Wächter und Viehhüter.

Gäässe
Zu einer vollständigen Alpfahrt gehört ein Schüppeli der weissen, hornlosen Appenzeller Ziegen. Die Rasse ist wegen der schmalen Zuchtbasis gefährdet.

Gäässbueb
Ein Bub in der Sennentracht mit den gelben Kniebundhosen marschiert bei der Alpfahrt an der Spitze des Zuges vor den Geissen.

Gäässmeetli
Hinter der kleinen Ziegenherde folgt das «Gäässmeetli», ein Mädchen in der Werktagstracht. Es hält die Tiere mit einem Stecken zusammen.

Chüeh
Die besonders traditionsbewussten Bauern fahren in der überlieferten Weise nur mit gehörnten Kühen auf die Alp.

Ledi
Die Ledi ist die Gesamtheit der traditionellen Gerätschaften für die Verarbeitung der Milch auf der Alp, also Melkeimer, Butterfass und Käsekessi.

Schelle
Die vordersten drei Kühe tragen die prächtigen Senntumsschellen, die im Klang auf einander abgestimmt sind zur Begleitung für das Zauren der Sennen.

Senne
Die Sennentracht wird bei Alpfahrten getragen. Dazu gehören die gelben Kniebundhosen und der mit Kühen bedruckte Sennenfetzen über der linken Hüfte.

Öberefahre
Ursprünglich bedeutete «öberefahre», dass man mit dem Vieh von einem Stall zum anderen marschierte. Heute ist es der Oberbegriff für die Alpfahrt.

Zaure
«Zaure» und «Zäuerli» sind die Ausserrhoder Bezeichnungen für den Appenzeller Naturjodel. In Innerrhoden nennt man das «rugguuse» und «Rugguuseli».


Betruef


Der Betruf oder Alpsegen gehört zum religiösen Brauchtum Innerrhodens und wurzelt in der katholischen Gebetstradition.


Detaillierte Begriffserklärung

Obed
Am Abend nach getaner Arbeit begibt sich der Senn an einen günstigen Ort, wo er die Alp überblicken kann und ruft den Alpsegen.

Alp
Die Alpen sind höher gelegene Weideflächen, die im Sommer extensiv genutzt werden.

Alpsege
Der Alpsegen ist eine Anrufung der Heiligen und der Dreifaltigkeit mit der Bitte um Schutz und Schirm vor Unwetter, Krankheit und Unfall.

Ave Maria
Der Betruf beginnt mit «Ave Maria», einer Anrufung Marias, der Mutter Jesu Christi. Auf Deutsch fängt das Gebet mit «Gegrüsst seist du, Maria» an.

Echo
Besonders eindrücklich wirkt der Alpsegen an den Orten, wo die Felswände den an einen gregorianischen Choral erinnernden Betruf widerhallen lassen.

Senn
Der Senn ist der Chef auf der Alp und trägt an der Alpfahrt die prunkvolle Sennentracht mit den gelben Kniebundhosen.

Holztrichter
Der Alpsegen wird durch einen hölzernen Trichter gerufen, der vom Weissküfer angefertigt wurde.


Alpstobete


Ungefähr in der Mitte der Alpzeit finden auf verschiedenen Alpen im Freien Stobete statt, fröhliche Feste mit Gesang und Tanz zu einheimischer Musik.


Detaillierte Begriffserklärung

Alpsommer
Die Alpen werden unterschiedlich lange bewirtschaftet, je nach Bodenbeschaffenheit und Höhenlage ungefähr ab Mitte Mai bis im September.

Hackbrett
Zu einer Appenzeller Musik gehört das Hackbrett, ein trapezförmiges Saiteninstrument, das mit federnden Hämmerchen, den «Ruete», gespielt wird.

Hierig
Der Hierig ist ein Pantomimentanz, der Werbung, Streit und Versöhnung eines Trachtenpaares vorführt.

Möhlirad
Das «Möhlirad» ist ein Männertanz, bei dem sich die Sennen in einem Kreis bewegen. Bei einer Tanzfigur bildet die Hälfte der Tänzer ein Mühlenrad.

Striichmusig
Die Original Appenzeller Streichmusik besteht aus zwei Geigen, Cello, Hackbrett und Kontrabass, ist also eine reine Saitenmusik.

Tanze
An den Stobete spielen üblicherweise Appenzeller Musikanten auf. Deshalb werden auch die landläufigen Polka, Schottisch, Wälzerli und Mazurka getanzt.

Trachte
Bei allen ländlichen Festlichkeiten wird gesungen, vor allem Naturjodel, die in Innerrhoden Rugguseli und in Ausserrhoden Zäuerli genannt werden.

Rugguseli
Die Original Appenzeller Streichmusik besteht aus zwei Geigen, Cello, Hackbrett und Kontrabass, ist also eine reine Saitenmusik.

Tanze
An den Stobete spielen üblicherweise Appenzeller Musikanten auf. Deshalb werden auch die landläufigen Polka, Schottisch, Wälzerli und Mazurka getanzt.


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